Buffalomedia.de

STERN TV MAGAZIN
Ausgabe: 21. bis 27. Juni 2003


TAGESTIPP:
Der Berufsindianer
Eine eindrucksvolle Reise durch die Prärie mit dem
Indianerdarsteller Gojko Mitic


Seit vierzig Jahren führt Gojko Mitic ein Leben in Mokassins. Der gebürtige Jugoslawe war der Star zahlreicher DEFA-Indianerfilme und kämpft seit der Wiedervereinigung als Winnetou in Bad Segeberg für Frieden und Gerechtigkeit.

Im Gegensatz zu seinem westdeutschen Pendant Pierre Brice war er in seinen Filmen nicht auf den fiktiven Karl-May-Typ festgelegt, sondern verkörperte in den DDR-Werken historische Figuren, denen Abenteuer angedichtet wurden. In Filmen wie "Die Söhne der großen Bärin" (1965) und "Ulzana" (1974) focht er in der Rolle unterdrückter Dakotas oder Apachen einen heroischen Kampf gegen imperialistische Eroberer. So schuf er ein Bild, das im Gegensatz steht zu den Hollywoodstreifen, die dem edlen Cowboydasein huldigten und Indianer vorrangig als mordende Horden darstellten.

2001 erfüllte sich Mitic einen Traum und bereiste erstmals die historischen Stätten seiner Filme. Begleitet wurde er dabei von dem Hamburger Musiker und Dokumentarfilmer Ramon Kramer, der nicht nur seit Jahren regelmäßig Indianer-Reservationen besucht, sondern auch ein Album mit Blackfeet-Musikern produziert und komponiert hat. Kramer verschaffte dem Filmindianer entscheidende Kontakte zu Prärie-Indianern in Süd-Dakota sowie Montana und hielt Mitics Reise in teilweise sehr eindrucksvollen Bildern fest. Er porträtiert einen nachdenklichen und philosophierenden Schauspieler, der die Interessen der Indianer nicht nur in Filmen und auf der Bühne vertreten will.

Dass die von ihm dargestellte Wildwest-Romantik wenig mit der heutigen Realität zu tun hat, ist Mitic von Anfang an klar, dennoch muss er nach seinem Besuch im Pine Ridge Indianerreservat in Süd-Dakota, in dem die Sioux bei 85-prozentiger Arbeitslosigkeit nur durch gegenseitige Hilfe überleben können, sein Indianerbild korrigieren. Und auch der Besuch von Wounded Knee, jenem Ort, an dem 1890 amerikanische Kavalleristen mehr als 400 Sioux massakrierten, nimmt ihn mehr mit, als er erwartet hatte.
In den Black Hills, dem heiligen Land der Sioux, sucht Mitic nach Plätzen, an denen er sich in "Spur des Falken" (1968) angeblich aufgehalten hatte (in Wirklichkeit wurde der Film im Kaukasus gedreht). Doch in den Saloons sorgen heute keine spannenden Pokerrunden mehr für Unterhaltung, sondern Spielautomaten, derweils TV-Geräte die Gäste berieseln. Und in der trockenen Prärie liegen auch keine abgenagten Bisonknochen, sondern ausgeschlachtete Autowracks herum.

So ist dieser Film zweierlei: sehenswertes Porträt eines desillusionierten Kultschauspielers und Dokumentation über die aktuelle Lage der indianischen Ureinwohner in den USA. (jv)