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 Textauszug aus: Hough und guten Tag! 



Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe noch nie erlebt, dass ein 
Indianer sein Gegenüber mit dem Wort Hough begrüßt. Das soll aber nicht bedeuten, dass das nie passieren könnte.Nehmen wir mal an, Sie sind in den USA, treffen auf jemanden,von dem Sie glauben, dass er ein Indianer ist, und begrüßen ihnauf die «gute alte Indianerart». Dann wird er, sofern er Sie nicht ignoriert, höchstwahrscheinlich auf die gleiche Weise zurückgrüßen. 

Dafür gäbe es zwei Erklärungen: Entweder ist er ganz besonders freundlich – oder er glaubt, dass Sie ihn verarschen wollen, und tut es Ihnen gleich. Allerdings könnte es auch sein, dass er selbst davon ausgeht, der Ausdruck Hough sei dasuniverselle, für alle Indianer geltende Wort für guten Tag. Das ist zwar eher unwahrscheinlich, aber möglich – auch Indianer gucken Fernsehen.

Was mich betrifft: Ich habe sie alle gesehen, jeden verdammten Western, die schlechten und die guten. Hauptsache, es kamen Indianer darin vor.
«Los, ab ins Bett! Du bekommst noch viereckige Augen», hieß es, wenn ich mich wieder einmal hinter dem Fernsehsessel versteckt hatte, um heimlich Indanerfilme zu gucken. Noch heute behaupten meine Eltern, dass ich als Kind ein Fernsehjunkie war. Doch das stimmt nicht. In Wirklichkeit war ich der einzige «Weiße Mann» im gesamten Stadtteil Winterhude, der erkannt hatte, dass der Indianer an sich ein Guter ist und gegen Leute wie John Wayne nicht genügend Unterstützung bekommen kann.
 


Indianerweihnacht '69
in Winterhude

Aus diesem Grund verging damals auch kaum ein Tag, an dem ich nicht in meinen Indianerklamotten herumlief – einem braunen Stoffanzug mit Gummizug und roten Fransen, einem Paar Mokassins (rote Wollhausschuhe mit indianischen Mustern) und einer Häuptlingshaube mit Hühnchenfedern. So musste auch draußen auf der Straße jedem sofort klar sein, auf welcher Seite ich stand. Auf Fragen wie «Was soll aus dir bloß einmal werden?» gab es nur eine Antwort : «Sieht man das nicht?»
Okay – meine Haare waren kurz, mein Tomahawk aus Gummi und mein Pferd in Wirklichkeit ein Fahrrad mit Stützrädern.
Aber irgendwann würde auch ich eine ganz lange Matte haben und mit Pfeil und Bogen auf einem echten Pferd sitzen, auf die Jagd gehen und am Abend mit meinen roten Brüdern im Tipi die Friedenspfeife rauchen ...



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