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  Ramon Kramer zu seinem Debütfilm  


Als Kind habe ich so ziemlich alle Indianerfilme gesehen, die mir unter die Augen kamen, die schlechten und die guten, Hauptsache Indianer. Und da wir in Hamburg auch DDR-Fernsehen empfangen konnten, natürlich auch die Indianerfilme der DEFA mit Gojko Mitic.

Schon damals hatte ich den Eindruck, dass die Abenteuer der Filmindianer aus dem Osten eher auf historischen Tatsachen basierten als die Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice. Umso mehr hat es mich später gewundert, dass die DEFA-Filme, die zu den erfolgreichsten Filmproduktionen des ehemaligen Ostblocks zählten, in den Medien des Westens kaum Beachtung fanden.


Bis heute hat mein Interesse für die Prärie-Indianer nicht nachgelassen, eine Faszination, die letztlich auch meinen Werdegang beeinflusst hat. Ich bin zwar kein Indianerschauspieler geworden, was mein erster Berufswunsch war, doch mittlerweile reise ich seit 12 Jahren regelmäßig nach Montana und Süd-Dakota auf die Reservationen der Sioux und Blackfeet, um dort als Filmemacher und Musiker zu arbeiten und auch privaten Aktivitäten nachzugehen. Um meine Kindheitsträume aufzufrischen, wurde es für mich zur Tradition, nach meinen jährlichen Reisen den Karl May-Spielen in Bad Segeberg einen Besuch abzustatten, bei denen Gojko Mitic seit mehr als 10 Jahren den Winnetou spielt.


Als ich seine Filme in den 90ern zweites Mal sah, fiel mir auf, dass sie in meiner zweiten Heimat spielen, im Nordwesten der USA. Da aber keiner dieser Filme in Nordamerika gedreht wurde, lag für mich die Frage nahe, ob Gojko Mitic die Originalschauplätze seiner Filme kennt, und ob er nicht mit mir auf eine Entdeckungsreise gehen wolle, um auf die Menschen zu treffen, die er seit 40 Jahren erfolgreich verkörpert. Ich stieß auf offene Türen: Schon lange habe er daran gedacht in die Prärie zu fahren, und um dieses Vorhaben besser realisieren zu können, würde er meine Kontakte gern in Anspruch nehmen.

Er hatte eine Ahnung davon, dass die Realität nicht annähernd der Fiktion entspricht, die ihn in seinem Beruf berühmt gemacht hat, doch man solle, so Gojko, nicht über jemanden urteilen, ehe man nicht mindestens eine Meile in dessen Moccasins gelaufen sei.


Ich hatte keine Promo-Tour eines Schauspielers im Sinn, sondern die Reise eines Privatmannes, der von sich sagt, dass er die Interessen der Indianer nicht nur auf der Bühne vertritt.

Ich wollte den Menschen Gojko Mitic und die Momente der Begegnungen mit seinen "Filmvorbildern" porträtieren, den Berufsindianer, der zum ersten Mal auf die Originale trifft - zwischen Vergangenheit und Gegenwart,zwischen Kulissenwelt und Reservation...


Ramon Kramer (Mai 2002)