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Leserbrief an den STERN (02.08.09)



05.08.09   |   Zurück zur Übersicht
Endlich

Als ich am Freitag morgen einen flüchtigen Blick auf das Titelbild des Sterns warf, dachte ich: Ach herrje, schon wieder eine Story über unseren postmodernen Super-Jesus. Aber dann die Unterschrift: "Die zwei Gesichter des Dalai Lama".
Endlich, korrigierte ich mich, verschlang den Artikel noch vor dem Frühstück und hatte zum ersten Mal den Impuls, mich bei Autoren und Herausgebern einer Titelgeschichte zu bedanken.

Im Zuge unserer Suche nach dem uneingeschränkten Guten, werden kritische Blicke auf die "Götter zum Anfassen" beinahe zu einem No-go.
Die Konstrukte des edlen Indianers, des politisch-korrekten Ches oder auch des sanften tibetischen Oberhaupts – letztlich sagen sie mehr über uns und die eigenen Sehnsüchte aus, als über unser Bedürfnis genauer hinsehen zu wollen.

Während eines Interviews zum Thema "Die amerikanischen Ureinwohner" wurde ich gefragt, ob ich die Menschen desillusionIeren wolle. Ich war so perplex, daß ich einfach nur mit "Nein" antwortete. Ich hätte eine Gegenfrage stellen sollen: Wie lange sind sie bereit an den Weihnachtsmann zu glauben?

Wir meinen in aufgeklärten Zeiten zu leben und doch sind Berichte wie der des Stern über den Dalai Lama eine Ausnahme-Erscheinung. Das ist bedauerlich.
Vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei, daß in Zukunft wieder mehr Hinterfragt werden "darf".
Vielen Dank!

Ramon Kramer (02.08.09)





Ausgabe Nr. 32, 30.07.09