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Buchbsprechung: Frau von heute (28.11.08)



02.12.08   |   Zurück zur Übersicht
Seit 15 Jahren lebt ein Hamburger wie ein Indianer

"Doch meine Squaw habe ich nicht gefunden"

Der Musiker machte sich auf die Suche nach den Helden seiner Kindheit. Ein skurriles Abenteuer ...

Auf dem Kopf trägt er einen Hut mit Adlerfeder. Sonst sieht er wenig exotisch aus, als wir ihn in seiner Lieblingskneipe treffen. Ramon Kramer wohnt in St. Pauli, dem Hamburger Vergnügungsviertel. Doch jedes Jahr im Sommer tauscht er die Szenegegend gegen die fast menschenleere Natur in Montana/USA. Dann reist der 44-Jährige zu seinen Freunden, den Schwarzfuß-Indianern.

1993 erfüllte sich der Musiker und Filmemacher mit Freunden zum ersten Mal seinen Kindheitstraum. Seine Neugier führte ihn nach Browning, der Hauptstadt der „Blackfeet“. Im Wilden Westen erlebte er merkwürdige Abenteuer. Jede Tradition wollte Ramon Kramer ausprobieren. Kein typisch indianisches Ritual auslassen.
Doch auf dem „Oktoberfest“ der Indianer, dem Powwow, fand das Bleichgesicht weder Lagerfeuer, Pferde noch Tipis. Im Gegenteil: Die Nachfahren Winnetous reisten mit Wohnmobil und Grill zu ihrem legendären Volksfest. Rund um den Tanzplatz waren Dixi-Klos aufgebaut. Wild-West -Romantik hatte sich Ramon Kramer anders vorgestellt. Auch sein erster Reitausflug ging gründlich daneben.
„Manitou schickte Horrorwetter, unsere Zelte versanken im Matsch“, erzählt der Autor, der die lustigen Geschichten in seinem Buch aufgeschrieben hat.
Und so kam es, dass er statt in einem Wildlederhemd im knallgelben Regenanzug wie eine Leuchtboje im Sattel seines störrischen Pferdes saß. Rettung kam schließlich von den Indianern selbst. Sie stellten dem Präriebrüchigen einen Wohnwagen hin.

„Heute lache ich über mich, weil ich von einem Fettnäpfchen ins andere getreten bin“, erzählt „Ah-Say-Kee“ (Guter Flötenspieler), wie ihn die Blackfeet heute nennen.
Einmal bat er Indianer-Jungs, ihm beim Tipi-Aufbau zu helfen. Doch die hatten keine Ahnung, fuhren lieber mit ihrem Skateboard anstatt ihre Bräuche zu pflegen. Am Ende konnte Ramon Kramer trotzdem in einem typischen Zelt schlafen – und durchträumte viele einsame Nächte. „Eine schöne Nscho-tschi fand ich leider nicht.“

Erika Küger

BUCH-TIPP
„Ich weißer Mann, Du Indianer gut. Meine Abenteuer in der Prärie“ rororo, 9,95 Euro. Witzig!